
"Gerädert" beschreibt meinen aktuellen Zustand perfekt!! Meine Hände beben durch die Erschütterungen der Lenkstange nach, mein Rücken ist komplett verspannt, meine Wangen sind vom Fahrtwind bamstig und meine Schenckel sind schwer.
Laut GoogleMaps hab ich heute an die 45km auf dem Radl zurückgelegt. Es war der Hammer -- Fahrradsightseeing par excellence!
Vorest bin ich elig zum Hauptbahnhof geradelt, denn mit der S-Bahn ging's um 11.02 nach Warnemünde. Ein paar Leckerbissen der heute endenden Warnemünder Woche musste ich mir vor Antritt meiner Mega-Radl-Route noch reinziehen: das Drachenbootrennen am Alten Strom und das 8. Landestrachtentreffen am Alten Leuchtturm in Warnemünde.
Nun kenn ich den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Vorpommerischer Tracht und jener aus Mecklenburg: Einmal fransige Tücher, einmal gar keine Tücher. Unterm Strich: die Österreichischen Trachten überzeugen in jedem Punkt!!!
Drachenbootwettrennen am Alten Strom
Megakreuzer "Norwegian Jewel" im Hintergrund
Bei Fish 'n' Cips bei Mc Udo
Trachtentreffen und-Tanzen am Alten Leuchtturm
Mit klassischer Musik sowas von Jane Austin!!
Dann ging's auf dem Ostseeküsten-Radweg Lübeck-Usedom Richtung Ostseebad Heiligendamm. It was a long way up there, but I made it!!
Auf der Suche nach dem Must-See Gespensterwald von Nienhagen fuhr ich durch das Naturschutzgebiet Stolteraa, hielt kurz am Aussichtspunkt Wilhelmshöhe, und weiter zur Steilküste Geinitzort, und das bei herrlichsten Temperaturen. Hoffentlich schau ich dieses Mal nicht wieder halb verbrannt sonder schockig aus.
Der Gespensterwald war verzaubernd. Wie das Sonnenlicht die Stämme hell shcimmern lies, das weiche Grasss über den Wurzeln und diese Stille. Wow einfach, sowas Schönes betreten zu dürfen..
Sobal dich den Wald verlassen hatte, strömte mir ein unglaublich intensiver, wohltuender Geruch entgegen, der mich sofort an mein --Teebrauen-- in unserer Küche in Graz erinnerte. Links 2m und rechts mindestens 5m des Küstenradlweges wuchsen wilde Kamillen!! Dazu noch diese weite Sicht über die Getreidefelder, zwei weiße, moderne Windmühlen am Horizont und das beruhigende Meeresrauschen. Ich war überwältigt.. Fast berauscht, soviel wunderbare Sachen knapp aufeinander.
Naturschutzgebiet Stolteraa
Bei Kliffspitze am Geinitzort
Strand von Ostseebad Nienhagen
Gespensterwald bei Ostseebad Nienhagen
Radwegabschnitt Nienhagen Börgerende-Rethwisch

herrlich duftendes Kamillenfeld
Von da an beschloss ich, einfach weiterzuradln. Die Strecke schien mir nun doch megamäßig groß ausgefallen zu sein. Und ich wollte dann erst in Heiligendamm ins Wasser hüpfen. Schließlich sollte ich ja trocken werden, ich wollte mir vor der Hälfte der Reise nicht zuviel Zeit lassen.
Das --Staatliche--Ostseebad Heiligendamm war eine absolute Enttäuschung! Von meinem Reiseführer war ich bereits vorgewahnt, dennoch erschlugen mich die Extremen des Platzes förmlich. Wunderschöne, weiße Villen komplett verwahrlost. Und gleich nebenan schicki-micki renovierte Villen mit weißem Zaun rundherum, um die Kundschaft vom Pöbel abzugrenzen. Und dann sollte man auch noch Kurtaxe zahlen, um sich an der Promenade aufhalten zu dürfen. Disgusting!
von Kurtaxe befreiter --Strandabschnitt 6-- bei Heiligendamm
auf der Seebrücke von Ostseebad Heiligendamm

Leider hatte ich meine Chancen auf's Planstschen für heute zu oft verstreichen lassen. Jetzt war es schon zu windig und ab nun sollte es landeinwärts gehen. Bald schwang ich mich wieder auf's Radl und fuhr an Getreidfelder, kleine Wädern und Wildblumenwiesen vorbei nach Bad Doberan. Dabei kam mir auch die überall angebrissene Schmalspurbahn "Molli" entgegen, ich darf mich also glücklich schätzen. In Bad Doberan selbst war dann leider die Batterie meines Fotoapparats dann total alle, ich fix und fertig geradelt und es lag noch ein weiter Heimweg vor mir. Nach einem kurzen Blick in das vielversprechend Kircheninnere beschloss ich, an einem Sonntag zur Messe mit Karl einfach zum Gustieren wieder zukommen.
Schmalspurbahn Molli
Zwischen Heiligendamm und Bad Doberan
Der Heimweg war graußam. Hier und da fielen dicke Tropfen auf mich, als wollte es zu regnen anfangen. Der Radweg war nicht ganz durchgehend und brachte mich immer wieder auf die Schnellstraße. Schlimmer, es ging immer öfter auch unscheinbar bergauf, nicht mehr eine gemütlich zu beradelbare und planebene Ladschaft. Und ich war schon so am Ende mit meinen Kräften.. Noch 15km nach Rostock!
Ich hab mich dann frech bei Klein Schwan an eine mich überholende, laut schnatternde Fahrradtruppe angehängt.. ich braucht Ablenkung, um die Länge der Streck zu vergesse und um sowas wie einen Pusher, einen Buddy zu haben. Sonst wäre ich vermutlich jetzt noch radln, im Stil meines Urgroßvaters...
Zusammenfassend war ich ganze 6 Stunden unterwegs. Es hat sich absolut gelohnt, würde ich mal sagen. Ich habe soviel gesehen, soviel wundervolles Erlebt und mich an der frischen Luft bewegt, ausgepowert. Ich plane bereits an einer neuen Radlentdeckungstour durch Mecklenburg-Vorpommern für nächstes Wochenende. Aber zuvor fall ich jetzt mal komplett gerädert in mein Bettchen.

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