Na jedenfalls geh ich zum Auto und setze mich rein. Ich wundere mich noch, dass das Innenlicht brennt. Ob eine Türe nicht ganz zu ist? Deshalb steig ich extra nochmal aus dem Wagen, öffne ALLE Türen, um sie dann sorgfältig nochmal ins Schloss fallen zu lassen. Wieder auf dem Fahrersitz, steck ich den Schlüssel in das Zündschloß, und... verdammte ="§)!&&"§#*!§ ... es tut sich nichts! ABSOLUT NICHTS!!
Ich hab dann - leicht panisch - gleich Karl angerufen. Der hat mir den Vorschlag gemacht, erst andere Alternativen abzuchecken. Wenn die nicht klappen, sonst das Auto stehen zu lassen und erst morgen den ADAC zu beanspruchen. Gut, also ich nochmal hoch in die Agentur und mein Problem -mit großen Augen und so herzig wie nur möglich- meiner Chefin Tina vorgetragen, mit der Anfrage um ein Starterkabel. Naja, neue Autos brauchen kein Starterkabel. Und, Holger, mein anderer Chef telefonierte gerade. Sie rief gleich einen Bekannten an und begann mit den Worten "Du, meine Julia...". Anscheinend bin ich Gesprächsstoff!!! Der Angerufene empahl die Variante des Schiebens und, er fügte hinzu, es sei auch durch uns "schaffbar". Als Holger das Gespräch beendet hatte, verkündet Tina ihm: "Holger, unsere Kleine hat das Licht brennen lassen. Komm, wir gehen anschieben!" Abgesehen von der Idee des Schiebens, war ich ganz erstaunt, das ich schon eine so herzigen Bezeichnung bei meinen Chefs habe. Ob die wirklich diesen Ausdurck verwenden, wenn es um mich geht?
Mein Chef ("Wenn es um Autos geht bin ich aber selbst 'ne Frau!")kam jedenfalls mit runter und auch der Programmierer Tobias wurde zum Anschieben zwangsverpflichtet. Im Stiegenhaus erschnorrten wir uns dann aber von einer, in den Feierabend starrtenden Frau, ein Starterkabel... und los gings. Holger wurde zum Autoholen geschickt, Tobias erledigte alles Technische, Tina dirigierte und las nebenher den Starterkabel-Beipackzettel laut vor. Ich, befangen durch diesen schnellen Rettungseinsatz, wirkte wohl verzweifelt und beschähmt, urherzig oder so.
Weil der Wagen von Holger aber dann bei genauer Inspektion als selbst- aber nicht fremdladend eingestuft wurde, lief Tina in die Agentur um ihre Autoschlüssel. Inzwischen überwand ich meine Scheu und meinen Scham und ließ meiner Stutzigkeit freien Lauf. Und dann -so naiv wie ich nur konnte- fragte ich, warum, wenn NICHTS funktioniert, dass Innenlicht dennoch brennt. Daraufhin setzte sich Holger mal ans Steuer, steckte den Schlüssel ins Zündschloss, rütttelte am Lenkrad, drehte den Schlüssel und riss den Kupplungsknüppel und...startete somit das Auto. Das Problem war: die Lenkradsperre war noch drinnen. Ich war soooo begeistert, kein ADAC, kein Starterkabel, und soviel Engagement seitens der Agenturleute!!! Hammer, oder!?
Wer sich jetzt denkt, ich lasse mich von so einer Aktion abschrecken, der irrt gewaltig. Das ist nämlich auch typisch ich: Jetzt erst recht!! ...und bin -absolut erleichtert und übermütig- Richtung Ostseepark gebraust.

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